Predigt zur Einführung der Prädikantin Bärbel Komm

in der Versöhnungskirche in Waldshut am 27.1.2019

Predigt zum Letzten Sonntag nach Epiphanias, 27.1.2019 über 2.Mose 3, 1-8a
in Waldshut mit Einführung von Frau Bärbel Komm als Prädikantin

Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Wüste hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb.
Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch.
Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte
und doch nicht verzehrt wurde.
Da sprach er: Ich will hingehen und diese wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.
Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen,
rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach: Tritt nicht herzu, zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!
Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters,
der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht;
denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.
Und der HERR sprach:
Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen,
und ihr Geschrei über ihre Bedränger habe ich gehört;
ich habe ihre Leiden erkannt.
Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie aus diesem Lande hinaufführe
in ein gutes und weites Land,
in ein Land, darin Milch und Honig fließt.

Liebe Gemeinde,
Mose hütet Schafe.
Das ist für ihn ein Verlegenheitsjob.
Sein Schwiegervater hat ihm den Job angeboten.
Denn Mose war untergetaucht.
Er hatte einen Mord auf dem Gewissen.
Im Jähzorn hat er einen Ägypter erschlagen.
Nun ist er auf der Flucht.
Um seine Tarnung perfekt zu machen, hat er die Tochter des heidnischen Priesters aus dem Nachbarland Midian geheiratet.
Nun hütet er also Schafe. Er treibt sie über die Wüste hinaus auf die höher gelegenen Weideplätze.
Mit Religion, mit Glauben, mit Frömmigkeit hat das Leben des Mose bisher nichts zu tun gehabt.
Dass er hier oben Gott begegnen würde, ahnt er nicht.
Er denkt nur an besseres Futter.
Auch als er den brennenden Dornbusch sieht,
kommt ihm nicht der Gedanke an Gott.
Mose rechnet überhaupt nicht mit Gott.
Nur technische Neugier treibt Mose zu dem Busch.
Er will herauskriegen, warum er nicht verbrennt.
Profaner Alltag ist das. Ohne religiöse Gefühle.
Es gab in Mose und seinem Leben nichts, woran Gott hätte anknüpfen können, um zu ihm zu sprechen.
Aber auch da, wo einer überhaupt nicht mit Gott rechnet oder an ihn denkt, kann Gott sich melden.
Es wird in der Kirche viel darüber geklagt, dass immer weniger Menschen religiös geprägt oder erzogen sind.
Und das ist natürlich auch schade, keine Frage.
Ein guter Religionsunterricht vom Kindergarten an,
Eltern und Großeltern, von denen man es schon früh biblische Geschichten hört,
von denen man lernt, vor dem Essen und vor dem Schlafengehen zu beten, sind wertvoll und hilfreich für den Weg zum Glauben.
Aber selbst wenn wir das alles nicht haben und völlig unreligiös sind, wird Gott das nicht in Verlegenheit bringen.
Wenn er uns haben will, will er uns haben.
Manchmal glaube ich, es macht Gott richtig Spaß,
uns zu verblüffen mit seinen Ideen.
Eines ist jedenfalls klar:
Ungeeigneter als Mose es war, um von Gott berufen zu werden, kann keiner von uns sein.
Mose also nähert sich dem brennenden Dornbusch
und begegnet dort Gott.
Aber was war das für eine Begegnung!
Gott ruft ihn. „Mose, Mose!“ und Mose sagt: Hier bin ich!
Später hat er das nicht mehr so bereitwillig gesagt.
Lesen Sie doch die Fortsetzung zuhause mal selber nach,
wie es nach der Begegnung im brennenden Dornbusch mit Gott und Mose weiterging!
Es ist schon klasse,
wie Mose dann mit tausenderlei Ausflüchten kommt.
Was soll ich sagen?
Sie werden mir nicht glauben, dass du, Gott, mich gesandt hast.
Ich kann nicht reden.
Und zum Schluss: Sende, wen du willst, aber nicht mich!
Es ist schon interessant, dass die allermeisten Berufungsgeschichten in der Bibel bei den Betroffenen keineswegs auf Begeisterung stießen.
In Gottes Namen ein Amt zu haben, das ist nicht eine Ehre, sondern eine Last, es ist nicht ein Recht, sondern eine Pflicht, der man sich nicht entziehen kann.
Menschen im Dienst Gottes sind oft besonderen inneren Kämpfen und Anfechtungen ausgesetzt.
„Hier bin ich“: Wie gesagt, das sagt Mose bald nicht mehr.
Doch nun ist es spannend, was passiert.
Zunächst bekommt er die Anweisung:
Tritt nicht herzu! Zieh die Schuhe aus!
Wo du stehst, ist heiliges Land!
Hier sollten wir gedanklich einen Moment verweilen.
Gott hat damals diesen Ort dafür gewählt, Mose zu begegnen.
Wir Christen meinen vielleicht,
solche Orte bräuchte es doch nicht.
Stimmt.
Wir müssen nicht zum Horeb pilgern, um Gott zu begegnen,
auch nicht nach Santiago oder nach Todtmoos.
Aber klar ist auch:
Gott allein bestimmt den „Ort“, wo wir ihm begegnen.
Wenn ER sich nicht zeigt, begegnen wir ihm auch nicht.
Gott will aber, dass wir ihm begegnen.
Wir tun es in Christus. Er, Christus, ER ist der Ort, wo wir Gott begegnen. In ihm haben wir Zugang zum Vater.
In seinem Wort und in Brot und Wein begegnen wir IHM.
Wir Evangelischen finden uns ja manchmal ganz toll damit,
dass wir keine heiligen Räume brauchen. Wir sind ja so rational.
In einem Kirchenraum ist alles möglich,
am besten wäre es doch, es gäbe gar keine Kirchen, sondern nur noch Mehrzweckräume, das wäre doch viel ökonomischer….
Es ist schon wahr: Heilige Räume gibt es nicht.
Aber sie umschließen das Heilige, weil in ihnen Gottes Wort gehört und das Mahl gefeiert wird.
Mir erzählen immer wieder Menschen, dass sie in fremden Städten Kirchen aufsuchen und eine Kerze anzünden.
Ich mache das auch oft,
und meistens zünde ich auch eine Kerze an.
Ich glaube, da ist in uns drin so etwas wie eine Sehnsucht nach dem Heiligen, nach Gott. Da macht Atmosphäre ganz viel aus.
Von Mose wird uns gesagt, er verhüllte sein Gesicht.
Niemand hatte ihm gesagt, dass er das tun muss.
Aber instinktiv hatte er Ehrfurcht vor dem großen und heiligen Gott.
Ein bisschen mehr von dieser Ehrfurcht täte uns Evangelischen durchaus gut. Die Kirche soll nicht aussehen wie eine Rumpelkammer.
Der Blumenschmuck soll schön sein, die Kerzen und das Abendmahlsgerät und die Tischdecken gepflegt.

Doch zurück zu Mose.
Gott stellt sich ihm vor als der Gott seiner Väter.
So wie Gott Mose beim Namen gerufen hat, so ist es zwischen Gott und uns immer eine Beziehung.
Wer meint, Gott sei nur eine Idee, er sei nur das Objekt unseres Nachdenkens und Philosophierens,
der ist dem lebendigen Gott der Bibel noch nicht in den Weg gelaufen.
Er ist ein Gott, der uns beim Namen ruft,
wie hier: „Mose, Mose!“.
Er ist ein Gott, der uns persönlich meint.
Er ist ein Gott, der das Elend sieht und das Geschrei über die Bedränger hört und das Leiden erkennt und herab kommt,
um die Menschen zu retten und sie in ein weites Land zu bringen.
So ist Gott.
Er sieht das Elend. Nein, er schaut nicht weg.
Und er hört das Schreien. Nein, er hält sich nicht die Ohren zu.
Und er erkennt das Leiden. Nein, er verdrängt es nicht.
Und er ist herniedergefahren, um zu retten.
Wir wissen: Das hat er in Jesus Christus ein- für allemal getan.
Christus führt uns aus der Knechtschaft in die Freiheit.
In ihm rettet uns der große und allmächtige Gott.
An dieser Stelle möchte ich nun etwas zu Ihnen persönlich sagen, liebe Frau Komm.
Sie haben sich ausbilden lassen zur Prädikantin.
Sie werden nun heute beauftragt, Gottesdienste zu halten und können von den Gemeinden unseres Bezirks dafür angefragt werden.
Nichts anderes als das ist nun Ihre Aufgabe, es den Menschen zu sagen, dass wir einen Gott haben, der das Elend sieht und das Schreien hört und das Leiden erkennt und in Christus gekommen ist, um uns zu retten.
Paulus sagt einmal: „Ich weiß nichts zu predigen unter euch als Christus, den Gekreuzigten.“ (1.Kor.2,2)
In unseren Kirchen wird leider vieles und anderes als das gepredigt. Da wird die Gemeinde zugetextet mit klugen Ratschlägen, was wir alles zu tun haben, wenn wir rechte Christenmenschen sein wollen, und uns wird erzählt, welch ideale Zustände auf der Welt einträten, wenn wir nur alle das täten, was der Prediger uns empfiehlt.
Aber all unser Predigen, seien wir Pfarrer oder Prädikantin oder was auch immer, wird sich daran zu messen haben, ob sie Christus verkündet.
Das Predigen weist immer weg von uns
und hin auf ihn, Christus.
Es weist hin auf einen Gott, der Elend sieht und Schreien hört.
Liebe Frau Komm, ich wünsche Ihnen nicht, dass Gott Ihnen Anfechtungen erspart. Ich wünsche Ihnen nicht, dass Ihnen das Predigen leichtfallen möge, im Gegenteil.
Ich wünsche Ihnen, dass es Ihnen schwerfällt.
Deshalb, weil Sie darum wissen,
wie klein Sie sind und wie groß die Aufgabe ist.
Sie sollen mit Gottes Wort Menschen im Namen Gottes an der Seele rühren.
Das ist freilich etwas anderes als einen Vortrag über Nutzen und Schaden der roten Waldameise in China zu halten.
Das darf Ihnen gern leichtfallen.
Das Predigen aber darf es nicht.
Da geht es um Heil und Unheil, und das ist nichts, was einem leichtfallen dürfte.
Darum sprechen wir Ihnen für Ihren Dienst Gottes Segen zu.
Wir wünschen Ihnen und erbitten für Sie, dass Sie Gott als treu erfahren und dass Gott Ihren Dienst der Verkündigung in reichem Maße segnen möge.

Amen

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